Speerwurf Olympiasieger 2016

Am 20.August, bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro in Brasilien konnte ich mir einen unglaublichen Traum eines jeden Athleten erfüllen. Ich wurde Speerwurf Olympiasieger 2016.
Die Goldmedaille gipfelte eine spannende und lehrreiche Saison, die mir in unterschiedlichen Aspekten auch für die weitere Sport Karriere viel wertvolle Erfahrung lieferte.

Die Vorgeschichte

Die Saison 2016 startete super und es kamen Leistungssteigerungen von Wettkampf zu Wettkampf, von Speerwurf zu Speerwurf. Auch im Training zeigte sich, dass das Jahr ein ganz großes werden könnte.

Zwei mal über 91m

Höhepunkt waren die Paavo Nurmi Games mit zwei Würfen über 91m. Darauf folgend stand vor den Olympischen Spielen nicht mehr viel im Wettkampfkalender, nur die EM in Amsterdam und ein Diamond League Meeting in London zu dem es für mich nach der EM leider nicht mehr kommen sollte.

EM Amsterdam 2018 – Das Verletzungspech

Warum? Weil ich mich bei der Qualifikation zur EM übel am oberen Rücken verletzt habe. Ein Fakt, der nur eingefleischte Kenner erkannten, da wir die Situation medial klein gehalten haben. Zuerst habe ich die Problematik als Verspannung wahrgenommen und habe so entschieden das Finale zu bestreiten. Im Kommentar hieß es „Thomas Röhler kämpft mit dem Wind“, leider war es nicht der milde Wind sondern eher die Schmerzen am Rücken welche mich plagten und die Top 3 verhinderten.

Zurück in Jena ging es ins MRT. Riss. Das ist nicht gut und dauert und das ausgerechnet 5 Wochen vor dem wohl bisher wichtigsten Wettkampf meiner Karriere.

Vorbereitung trotz Verletzung

In den kommenden 4 Wochen lernte ich neben dem Rehatraining viel über alternative Trainingsmethoden. So arbeitete ich gemeinsam mit meinem Trainer viel im mentalen und Videomotorischen Bereich, denn an Werfen war bis zu 2 Wochen vor den Spielen nicht m Traum zu denken. Zu stark waren die Flüssigkeitseinlagerungen durch den Riss im Gewebe.

Mit leichter Unsicherheit im Hinterkopf, aber dem gewissen Wissen über das was möglich ist wenn mein Körper mitmacht sind wir dann nach Rio angereist. Das Projekt Speerwurf Olympiasieger wurde gestartet.

Olympische Spiele 2016 in Rio

Angekommen im Olympischen Dorf haben wir die ersten intensiveren Ballwürfe nach 6 Wochen Wurfpause absolviert, kein großer Schmerz, nur ein kleines Unwohlsein ob der Erinnerungen an die Verletzung und den 4 wöchigen Komplettausfall im Wurfbereich. Tag für Tag wuchs jedoch das Vertrauen in den Rücken und der stets vorhandene selbstbewusste mentale Stand wurde mit einem genesenen Körper gepaart. So ging es in die Speerwurf Qualifikation am 17.07.2016.

Die Qualifikation

Thomas Röhler Speerwurf Olympiasieger 2016 Foto von Sacha Fromm Javelin olympic champion testing a javelin for stiffness3 Versuche hat jeder Athlet um eine geforderte Weite für die direkte Qualifikation für das Speerwurffinale zu schaffen. Oder ein Wurf in die top 12. Mit exakt einem Zentimeter über den geforderten 83,00m reichte mir um sicher im Finale zu stehen. Enorme Erleichterung machte sich in mir breit.
Ich kannte die Situation 3 Versuche zu nutzen bereits und war vom Fakt weniger beeindruckt als die Zuschauer vor den TV Bildschirmen oder im Stadion. Was für mich zählte war das zurückgewonnene Vertrauen in den eigenen Körper.

Das Olympische Speerwurf Finale 2016

Am 20. August 2016 war es so weit, ich stand in meinem ersten olympischen Finale. In der Disziplin von der ich immer schwärmte und für die stets mit Passion und Hingabe trainierte – dem Speerwurf.

Mit einem super Wurf in der ersten Runde ging konnte ich in Führung gehen und das Feld für kurze Zeit anführen. Doch Julius Yego, einer der heiß gehandelten Konkurrenten legte einen drauf und setzte mich in Runde 2 auf den Silberrang. Es ging eng zu. Wurf für Wurf fühlte ich mich als sei ich Herr der Lage, ein sehr wertvolles Gefühl in einer so aufreibenden Wettkampfsituation. Nach Runde 3 Wurde neu gewürfelt, neue Reihenfolge der Speerwerfer im Finale. Thomas Röhler Speerwurf Olympiasieger 2016 Foto von Sacha Fromm Javelin olympic champion waiting for his next throw

Eine Situation in der es gilt den Fokus zu bewahren. Gar nicht zu leicht in einem sehr lauten und turbulenten Olympiastadion.
Es folgte Runde 4, gut angestellt, feiner Rhythmus aber das sofortige Gefühl,- das kann ich besser.

Thomas Röhler Speerwurf Olympiasieger 2016 Foto von Sacha Fromm Javelin olympic champion throwing the javelin in Olympic finalDer Wurf der mich zum Speerwurf Olympiasieger machte

Gesagt, getan. In Runde 5 passte alles. Etwas mehr Anlaufgeschwindigkeit und ein kraftvoll präziser Speerwurf. Bereits im Moment des Abwurfs war mir bewusst, dass jener Wurf meine Sportkarriere nachhaltig verändern könnte. Zum enorm positiven natürlich. Vermessen wurde der Wurf mit 90,30m, die zweit beste Weite, die je in einem olympischen Speerwurf Finale der Männer erzielt wurde. Somit war der Wurf nur haarscharf am Olympischen Rekord von Andreas Thorkildsen vorbei.

Egal – Olympisches Gold war sicher, denn in Runde 6 passierte nichts mehr was den Olympiasieg noch verhindern konnte.

Die Siegerehrung

Wie ich es in meinem Werdegang über mich beschreibe, es war der wohl emotionalste Moment in meinem Leben. Ein Erlebnis welches jeden Schweißtropfen, jeden Rückschlag und jede Trainingsminute in unbeschreiblichem Maße aufwiegt.

Mit dem Moment der Medaillenübergabe startete ein langer erlebnisreicher Realisationsprozess. Seit diesem Augenblick war ich nun Thomas Röhler, der Speerwurf Olympiasieger 2016 aus Thüringen.

Thomas Röhler Speerwurf Olympiasieger 2016 bei der Siegerehrung - medal ceremony javelin olympic games 2016

Speerwurf Olympiasieger – und dann?

Schnell werden einem Fragen gestellt, die klar in die Zukunft zeigen. Für mich war eines sofort klar, der faire sportliche Kampf mit den Weltbesten und der Wille zu siegen macht positiv süchtig. Eine fast automatische Spirale der Motivation aus dem Erlebten startete. Schon wenige Tage nachdem der mediale Trubel ein wenig Ruhe fand war ich fest entschlossen weiter für mehr zu trainieren. Ich realisierte ein Olympiasieg ist das größte was ein Sportler erreichen kann, ja. Aber was ist mit 100m weit werfen, oder nochmals Speerwurf Olympiasieger werden. Einmal der Beste sein reicht mir nicht, auch dieses Wissen nehme ich aus dem Olympiasieg 2016 mit.

Alle Bilder auf dieser Seite wurden von meinem langjährigen Begleiter sportlicher Erlebnisse und Profi seines Fachs Sascha Fromm aufgenommen.

 

 

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1 Kommentar

  • […] Jeder Morgen startete mit einer Präsentation. Ich fühlte mich ein wenig wie ein Professor an der Universität zu Loughborough. Zuerst ermöglichte ich den Zuhörern einen Einblick in meinen sportlichen Werdegang später wurden auch Inhalte der Speerwurf Biomechanik wie im dazu passenden Artikel gemeinsam beleuchtet. Es hat mich sehr gefreut zu sehen, wie eifrig Athleten, Eltern und Trainer Notizen verfassten um ein wenig Erfahrung und Prinzipien eines top Athleten im Speerwurf mit nach Hause zu nehmen. Wunderbar zu spüren war auch die geteilte Begeisterung für die Erlebnisse bei den Olympischen Spielen 2016. […]

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