Richtig erholen

Sich richtig erholen? Kann man da etwas falsch oder richtig machen? Aus meiner Sicht bietet das Thema Erholung und mentale Gesundheit viel Raum für intuitiv richtiges Handeln. Doch lässt unsere Zeit diesen Raum zu?

Alles ist Sport

Im so komplexen Lebensstil eines Leistungssportlers von Work Life Balance zu sprechen fällt schwer. Als Athlet mit hohen Leistungsansprüchen ordnet sich häufig das gesamte Leben dem Streben im Sport unter. Rein definitorisch würde es mir demnach sehr leicht fallen auch meinen Sasionurlaub als rational geplant und klar zielbezogen zu klassifizieren. Ein Stück Erholung nur um danach mit noch mehr Wille und frischer Power ein tägliches Hochleistungsstreben zu befeuern. Eine drastische Formulierung und für Außenstehende nicht leicht nachzuvollziehen.

Erholung wahrnehmen

Für mich als Athleten und öffentliche Person ist freie, nicht geplante Zeit sehr kostbar. Auch Manager und Selbstständige in den unterschiedlichsten Berufen sprechen von dieser unbewusst nahtlos erscheinenden Schwelle von freier Zeit und operativem arbeitsbezogenen Handeln. Mir persönlich berietet dieser Fakt kaum Sorgen. Alle sprechen vom Wunsch des erfüllten Berufs und Leben. So ist aus meiner Sicht ein nahtloser Übergang im Lebensfortgang von Beruf und Freizeit wahrlich nicht grausam. Dennoch muss unser Geist die durchlebten Phasen bewusst wahrnehmen, ich halte eine Erholung im Zustands des Trainings – Flow für wenig sinnvoll.

Grün ist in aller Munde

Wie viele aus meinen Instagram Stories wissen, zieht es mich in den kurzen täglichen Erholungspausen häufig ins Grüne. So auch im Saisonurlaub 2018. Mit Grün assoziiert man eine natürliche Umgebung, gesunde Pflanzen, gute Luft und pure Natur. Sozusagen back to the roots (zurück zu unseren Wurzeln) ohne Hochhäuser, Lärm und wahrnehmbare Umweltbelastungen. Instinktives Leben im Urlaub lässt mich häufig mit den ersten Sonnenstrahlen aufwachen und mit dem letzten Licht langsam zur Ruhe kommen. Dazwischen wird gewandert, genossen und an verschiedenen Plätzen, egal ob Küste, Wald oder Berg innegehalten und bewusst entschleunigt. Werde ich dann angesprochen ob ich wirklich 3 Wochen keinen Kraftraum besucht habe muss ich oft schmunzeln und frage gern zurück – wann bist du das letzte mal mit 10kg Foto Equipment und Wasser auf dem Rücken 7h gewandert?

Auch richtige Erholung braucht Übung

Nach einer langen Saison und einer riesigen Flut an Emotionen braucht der Körper Zeit die Erholung zu realisieren bzw. zu akzeptieren. Wir sind auf Hochtouren programmiert und unser Geist lebt gern zu Beginn des Urlaubs in der Hatz weiter. Viele kennen das Phänomen einer Krankheit im Urlaub. Das ist der Moment in dem sich der Körper endlich die Auszeit selbst genehmigt und den Belastungsdrang neu reguliert. Vorfreude auf eine Erholungsphase spielt beim richtigen Erholen eine positive Rolle. So können wir die Eingewöhnungsphase in die Erholung langsam aber sicher schon in den letzten Arbeitstagen einläuten.

Rauchzeichen des 21. Jahrhunderts minimieren

Regen, Schnee, Sonne und Wind waren schon immer da, Handys, Messenger und so manch anderes Rauchzeichen des 21. Jahrhunderts nicht. Unser Körper inklusive unserer Genetik hatte keine 30 Jahre Zeit sich an enorme Zuwachsraten der Informationsflut zu gewöhnen. Natürlich sehen wir im Alltag alle die Vorteile und auch ich sehe mich als klaren Digitaljunky. Dennoch sehe ich Grund zur Vorsicht. Informationen auswerten ist anstrengend und lenkt uns vom Erholen klar ab. Probiert es einfach mal, ab auf einen entlegenen Wanderweg, kein Empfang – totenstille. Spätestens nach ein paar Stunden habt ihr die Sorge an den Messenger Klingelton vergessen, er geht nämlich nicht. Dieses Gefühl einer Freiheit, die wir selbst erst in medialer Gefangennahme erzeugen, ist etwas feines – richtig erholsames.

Richtig erholen ist trotzdem individuell

Ich möchte in diesem Blogeintrag keinesfalls Vorgaben machen oder mich als Pabst der Erholung positionieren. Als Leistungssportler lebe ich von unser aller höchstem Kapital – der Gesundheit und Leistungsbereitschaft des eigenen Körpers. So habe ich gelernt sorgsam mit ihm umzugehen und dennoch in der Lage zu sein Grenzen auszuloten. Sicherlich ein Spagat und Tanz auf der Rasierklinge, doch genau bei dieser Challenge habe ich gelernt wie wichtig bewusste Erholung ist. Die Zeit, die ein Mensch zum erholen benötigt ist enorm individuell und kaum vorhersehbar. Meist Leben wir im Tabellenformat der Zeitbestimmung unserer Arbeitgeber, Trainer oder Familien und werden nie Gelegenheit haben unsere „maximale Erholung“ spontan und situativ zu erleben. Aber wir können jeden Tag und in jeder Planungsphase unser bestes geben unserem Körper die Chance einzuräumen einmal Luft zu holen.

 

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